Wer hat Anspruch auf Wohngeld?

Wohngeld richtet sich an einkommensschwache Menschen. Es soll „der wirtschaftlichen Sicherung angemessenen und familiengerechten Wohnens” dienen. So steht es im Wohngeldgesetz (WoGG). Anspruch auf die Unterstützung haben sowohl Mieter als auch Eigentümer von Immobilien. Mietern zahlt der Staat das Wohngeld als Mietzuschuss, Eigentümern als Lastenzuschuss. Mietzuschuss erhalten auch Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Die Lastenzuschuss-Regelung schließt Menschen mit eigentumsähnlichem Dauerwohnrecht, Wohnungsrecht oder Nießbrauch ein.

Ausgeschlossen vom Wohngeld sind Empfänger von Transferleistungen wie Arbeitslosengeld II und Grundsicherung. Denn deren Unterkunftskosten werden vom Jobcenter oder Sozialamt bereits übernommen.

Was Sie über Wohngeld wissen sollten:

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Das Thema Wohngeld wirft viele Fragen auf. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Wohngeld für Sie gesammelt.

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Wohngeld erhalten Haushalte durchschnittlich, in denen alle wohngeldberechtigt sind (2017, Quelle: Stat. Bundesamt)

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Haushalte beziehen Wohngeld (2017, Quelle: Stat. Bundesamt)

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Bis zu dieser Höhe erkennen Wohngeldämter die Miete für einen 4-Personen-Haushalt an

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So klappt es mit dem Wohngeld

Die Zahl der Wohngeldanträge geht jedes Quartal in die Hunderttausende. Ob Erst- oder Verlängerungsbewilligungen oder Erhöhungsansprüche – Missverständnisse und Probleme sind an der Tagesordnung. Viele Anträge werden abgelehnt, es kommt zu unnötig langen Bearbeitungszeiten, immer wieder erscheinen Bescheide fragwürdig. Oft liegt das an fehlerhaften Angaben der Antragsteller. Doch auch Sachbearbeiter in Wohngeldstellen sind nicht unfehlbar. Die Mehrzahl der Antragsfehler lässt sich leicht vermeiden. Manche Punkte, die Behörden von Haushalten abfragen, sind kniffliger, als es den Anschein hat. Nicht zuletzt an ihnen entscheidet sich, ob ein Haushalt so viel Zuschuss erhält, wie ihm zusteht.

So viele Haushalte erhalten Zuschuss

Das Statistische Bundesamt zählte zum Jahresende 2017 rund 592.000 Haushalte, die Wohngeld bezogen. Das waren fast 40.000 weniger als ein Jahr zuvor, nachdem die Wohngeldreform in Kraft getreten war. Im Zuge der Reform war die Zahl der Wohngeldhaushalte um mehr als 170.000 angestiegen.

In die im Januar 2016 in Kraft getretene Regelung flossen der Anstieg der Bruttokaltmieten, die gestiegenen Kosten für Heizung und Warmwasser sowie die Einkommensentwicklung ein. In der Folge erhöhte sich der durchschnittliche Zuschuss in Fällen, in denen alle Haushaltsmitglieder Anspruch auf Wohngeld haben, um rund 40 Euro. Insgesamt 153 Euro standen solchen Haushalten Ende 2017 im Schnitt zu. Am höchsten fiel der Zuschuss in Hamburg aus (184 Euro), am niedrigsten in Sachsen-Anhalt (112 Euro). Haushalte, in denen Menschen mit und ohne Anspruch auf Zuschuss leben, erhielten durchschnittlich 150 Euro. Im Ländervergleich am meisten gab es in Schleswig-Holstein (170 Euro), am wenigsten in Berlin (112 Euro).

Die größte Gruppe der Wohngeldempfänger bilden Rentner. Von 278.000 bezuschussten Haushalten waren zum Stichtag 90 Prozent alleinlebende Rentner. Die zweitgrößte Gruppe sind Familien. In rund 180.000 Haushalten mit Wohngeld lebten drei oder mehr Menschen. Nutznießer der Reform sind auch Azubi- und Studentenhaushalte. Nach der jüngsten Statistik waren mehr als 30.000 anspruchsberechtigt.

Viele negative Wohngeldbescheide

Wer Wohngeld beantragt, braucht Geduld. Ungefähr vier bis acht Wochen dauert die Bearbeitung üblicherweise. Vielerorts zieht es sich deutlich länger hin. Deutschlandweit summiert sich die Zahl der Bearbeitungsfälle in Wohngeldstellen Quartal für Quartal auf 300.000 bis 400.000.

Bilanz in den ersten drei Quartalen des Jahres 2018: Bei jeweils gut 13 Prozent der Bearbeitungsfälle handelte es sich um „Erstbewilligungen”, bei mehr als 40 Prozent um „Wiederholungsbewilligungen”. Mehr als 25 Prozent machten in jedem Quartal „Ablehnungen und Wegfälle” aus.

Was die Bilanz aus Verbrauchersicht trübt: Das Wohngeld wird nicht jährlich an die Mietpreis- und andere Preisentwicklungen angepasst, wie das etwa bei den Hartz-IV-Regelsätzen geschieht. Übliche Einkommenssteigerungen zum Ausgleich der Inflationsrate haben zur Folge, dass Wohngeldempfänger weniger Zuschuss bekommen oder aus der Förderung herausfallen – trotz gestiegener Wohnkosten.

Neues Gesetz 2020: Mehr Wohngeld, mehr Empfänger

Die nächste Wohngeldreform ist für den 1. Januar 2020 vorgesehen. Mit dem „Wohngeldstärkungsgesetz” soll sich der Kreis derer, denen Unterstützung zusteht, wieder vergrößern. 660.000 Haushalte haben dann Anspruch auf Miet- oder Lastenzuschuss, heißt es aus dem Bundesbauministerium. 180.000 Haushalte davon „erstmals oder erneut”, unter ihnen 25.000 Haushalte, die sich dank Wohngeld nicht länger auf Hartz IV oder Sozialhilfe stützen müssen.

Zudem soll der Zusschuss steigen. Im Fall von Zwei-Personen-Haushalten etwa, die schon bisher anspruchsberechtigt sind, von durchschnittlich 145 auf 190 Euro. Zusätzliches Haushaltseinkommen – zum Beispiel ein Rentenerhöhung – soll  beim Wohngeld in geringerem Maße  zu einem Minus führen als bisher.

Die Höchstbeträge für Miete und Belastung, die sogenannten Mietenstufen, die bei der Wohngeldberechnung berücksichtigt werden, sollen um bis zu gut zehn Prozent angehoben werden. Darüber hinaus soll es für Haushalte in besonders teuren Städten eine zusätzliche Mietenstufe (Stufe VII) geben.

Zudem sollen der Miet- und Lastenzuschuss in Zukunft regelmäßig im Abstand von zwei Jahren an die Miet- und Einkommensentwicklung angepasst werden.

Das ist ausschlaggebend für das Wohngeld

Ob und wie viel Wohngeld es im Einzelfall gibt, hängt ab von der Anzahl der Haushaltsmitglieder, der Miete oder Belastung und dem Gesamteinkommen.

Als Haushaltsmitglieder angerechnet werden neben dem Antragsteller der Ehe- oder Lebenspartner, Kinder und darüber hinaus etwa Großeltern, Onkel und Tanten; es zählen alle, die mit dem Mieter oder Eigentümer „in gerader Linie oder zweiten oder dritten Grades in der Seitenlinie verwandt oder verschwägert” sind (Paragraf 5, Abs. 1, WoGG). Vorausgesetzt freilich, der betreffende Wohnraum ist „der Mittelpunkt ihrer Lebensbeziehungen”.

Was Mietkosten betrifft, ist für die Höhe des Wohngeldes die Bruttokaltmiete ausschlaggebend. Sie errechnet sich aus der Grundmiete plus den Kosten für Wasser, Abwasser, Müllabfuhr und Treppenbeleuchtung. Außen vor bleiben bei der Berechnung des Zuschusses die Kosten für Heizung, Warmwasser und Garage oder Kfz-Stellplatz.

Wer ein Haus mit mehr als zwei Wohnungen hat und eine davon selbst bewohnt, bekommt Wohngeld auf der Basis des „Mietwertes”, also der Miete für eine vergleichbare Wohnung.

Die Belastung von Eigentümern bemessen die Behörden an den Ausgaben für einen etwaigen Immobilienkredit – Zins und Tilgung –, den Bewirtschaftungs- und Verwaltungskosten sowie der Grundsteuer. Für Instandhaltungs- und Betriebskosten gilt eine Pauschale in Höhe von 36 Euro pro Quadratmeter im Jahr.

Als Gesamteinkommen zählt die Summe der Jahreseinkommen der Haushaltsmitglieder. Weg fallen Abzugsbeträge für Steuern und Sozialversicherungsbeiträge sowie Unterhaltsleistungen und Freibeträge zum Beispiel für pflegebedürftige Haushaltsmitglieder. Zusätzlich können Antragsteller – wie beim Fiskus – Werbungs- und Kinderbetreuungskosten geltend machen. Nicht mitgezählt werden bei der Berechnung des Einkommens auch Kindergeld, Kinderzuschlag und Mindestbetrag beim Elterngeld.

Dem anrechenbaren Gesamteinkommen sind nach oben und nach unten Grenzen gesetzt. Wer zu wenig oder zu viel verdient, geht bei der Wohngeldstelle leer aus. Dabei spielen unterschiedliche Größen eine Rolle.

Ein Mindesteinkommen macht der Staat zur Bedingung, um zu vermeiden, dass Wohngeld zweckentfremdet wird, zum Beispiel für Ernährung oder Kleidung. Nur wer seinen Lebensunterhalt, sprich sozialhilferechtlichen Bedarf, zumindest größtenteils selbst bestreitet, dem steht Miet- oder Lastenzuschuss zu. Der sozialhilferechtliche Bedarf setzt sich zusammen aus Regelbedarf plus individuellem Bedarf plus Bruttowarmmiete (SBG II SGB XII). Kommt unter dem Strich ein Betrag heraus, der höher ist als das angegebene Einkommen, hat das Amt Spielraum: Unter Umständen kalkuliert es mit einem niedrigeren Regelbedarf und setzt so die Hürde herab. Geregelt ist das in den Verwaltungsvorschriften zum Wohngeldgesetz (WoGVwV 15.01).

Wo die Obergrenze für das Gesamteinkommen liegt, ergibt sich zum einen aus der Zahl der Haushaltsmitglieder, zum anderen ist der Wohnort entscheidend. Je nach Niveau der Mietpreise sind „Mietenstufen” festgeschrieben. Sie reichen von I bis VI. Jeder Kommune mit mehr als 10.000 Einwohnern ist eine Mietenstufe zugeordnet, für kleinere Kommunen ist übergeordnet eine für den Kreis definiert. Je teurer das Pflaster, desto höher die Stufe.

Für Alleinstehende in München, Stuttgart oder Hamburg (Mietenstufe VI) etwa liegt die Grenze für das monatliche Gesamteinkommen bei 1.010 Euro. Familien mit zwei Kindern stoßen bei 2.166 Euro ans Limit. In Cham, Biberach oder im Kreis Lüchow-Danneberg (Mietenstufe I) ist die Obergrenze für Alleinstehende bei 855 Euro gezogen, für Vier-Personen-Haushalte bei 1.909 Euro. Abzugs- und Freibeträge kommen immer noch oben drauf (vgl. Gesamteinkommen).

Gedeckelt ist auch die Miete, die in die Berechnung des Wohngeldes eingeht. Gleichermaßen gilt das für die Belastung. Die Deckelung erfolgt mittels der Mietenstufen, maßgeblich ist außerdem die Anzahl der Haushaltsmitglieder. Bei der Ermittlung der Höchstbeträge hat sich der Gesetzgeber allein am Wohnraum orientiert, für den Wohngeld aufgewendet wird. Nur Mieten und Belastungen bis zu diesen Beträgen sind relevant für den Zuschuss. Jeder Euro darüber hinaus, fällt unter den Tisch. Einem Single mit der Mietenstufe VI rechnet das Amt maximal 522 Euro an, einem vierköpfigen Haushalt bis zu 753 Euro. Zum Vergleich: Für einen Alleinstehenden mit der Mietenstufe I gilt ein Höchstbetrag von 312 Euro, bei vier Haushaltsmitgliedern klettert der Wert auf 525 Euro.

Anzahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder
in Gemeinden mit Mieten der Stufe
Höchstbetrag in Euro ab 01.01.2016
1
I
II
III
IV
V
VI
312
351
390
434
482
522
2
I
II
III
IV
V
VI
378
425
473
526
584
633
3
I
II
III
IV
V
VI
450
506
563
626
695
753
4
I
II
III
IV
V
VI
525
591
656
730
811
879
5
I
II
III
IV
V
VI
600
675
750
834
927
1004
Mehrbetrag für jedes weitere zu berücksichtigende Haushalts­mitglied
I
II
III
IV
V
VI
71
81
91
101
111
126

(Tabellen mit den Obergrenzen für Einkommen und Zuschüssen des Bundesbauministerium).

Knackpunkte bei Wohngeldanträgen

Aus Sicht der Behörden liegt das Hauptproblem bei Wohngeldanträgen auf der Hand. „Oft ist der Antrag in vielen Punkten unausgefüllt, Angaben bleiben unklar und zu allgemein. Zudem sind häufig keine oder falsche Unterlagen beigefügt”, sagt Edith Petry, Sprecherin des Sozialreferats in München. Sachbearbeiter haken dann nach. Doch auch auf Nachfrage blieben zahlreiche Antragsteller Angaben schuldig, und Verfahren würden „wegen fehlender Mitwirkung eingestellt”, sagt Petry.

In den Augen von Verbrauchern stellen sich Knackpunkte bei Wohngeldanträgen nicht immer dar. Einige Fragen, die Behörden stellen, haben es in sich. Arne Haase erlebt die Problematik tagtäglich. Er ist einer der Betreiber der Webseite wohngeldantrag.de. Haase und seine Mitstreiter – unter ihnen Mitarbeiter von Wohngeldstellen – beraten Verbraucher ehrenamtlich. Sie beobachten, dass sich bestimmte Fehler in Anträgen häufen. Die können bis zur Ablehnung von Anträgen oder teils sogar zur strafrechtlichen Verfolgung führen. „Von 100 Anrufern, die wir jeden Tag haben, haben 20 einen Brief von der Behörde bekommen, dass ein Ordnungswidrigkeits- oder Strafverfahren droht”, berichtet Haase. Das sind die Knackpunkte:

Mindesteinkommen

Decken die Einkünfte nicht den sozialhilferechtlichen Bedarf, kann die Behörde von einem um 20 Prozent verringerten Regelbedarf (SGB II, SGB XII) ausgehen. Bei Alleinstehenden rechnet sie dann mit 320 statt 409 Euro, bei Paaren mit 589 statt 736 Euro (368 Euro je Partner). Entsprechend sinkt das erforderliche Mindesteinkommen. Vorher findet ein schriftliches Anhörungsverfahren statt. Antragsteller müssen dabei auflisten, welche Einnahmen und Ausgaben sie haben. Wenn eine unabweisbare Ausgabe fehle, könne es kritisch werden, sagt Arne Haase. „Eine Frau, die keine Hygieneartikel angibt, macht sich unglaubwürdig.” Ein anderes Beispiel: „Man gibt seine Handynummer im Antrag an, nennt aber keine Kosten für Telekommunikation.”

Aufgelistet werden muss gegebenenfalls auch der individuelle Bedarf. Dazu gehören unter anderem die Kosten für eine notwendige Haushaltshilfe, Mehrbedarfe bei Schwangeren, Alleinerziehenden oder schwerkranken Menschen sowie Beträge zur Vorsorge. Anders als beim Regelbedarf ziehen die Behörden von dieser Summe nicht 20 Prozent ab.

Ebenfalls in voller Höhe zum sozialrechtlichen Bedarf gerechnet wird die Bruttowarmmiete. Stromkosten müssen nur beziffert werden, wenn die Heizung mit Strom läuft.

Um die Hürde beim Mindesteinkommen zu nehmen, gilt es, entsprechende Nettoeinnahmen nachzuweisen, wie Haase betont. Grundsätzlich sollten Antragsteller auch Einkommen auflisten, die für die Höhe des Wohngeldes unerheblich sind, empfiehlt er. Kindergeld etwa rechne das Amt zum Mindesteinkommen. Das Gleiche gelte für einen Studienkredit.

Wohngeld und Vermögen

Wenn Einkünfte aus Kapitalvermögen im Wohngeldantrag nicht offengelegt werden, ist Ärger programmiert. Dabei muss es nicht um große Beträge gehen. „Es genügt schon, wenn jemand ein Tagesgeldkonto hat und 50 Euro Zinsen im Jahr erhält”, sagt der Experte. Der Wohngeldstelle falle das beim automatischen Datenabgleich mit dem Bundesamt für Finanzen auf. Dann drohe ein Bußgeld, in einer Reihe von Bundesländern ein Strafverfahren.

Vermögen zu verschweigen, ist nicht nur heikel, sondern auch unnötig. Denn beim Wohngeld sind im Vergleich zu anderen Sozialleistungen hohe Freigrenzen definiert. Für den Antragsteller liegt die Grenze bei 60.000 Euro, für jedes weitere Haushaltsmitglied bei 30.000 Euro. Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG 5 C 21.12) sind auch höhere Vermögen zulässig. Dies sei „im Lichte der individuellen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu beurteilen”, heißt es. Hintergrund: Berlin hat die Freigrenze für das erste Haushaltsmitglied auf 80.000 Euro hochgeschraubt.

Wohngeld und Unterhaltsansprüche

Die Frage nach einem Unterhaltsanspruch kann bei Alleinerziehenden und Azubis in der Erstausbildung zu Problemen zu führen. Kreuzen sie „nein” an, bohrt das Amt nach. Von Alleinerziehenden will es wissen, wie es mit dem Unterhaltsvorschuss aussieht. Bei Azubis erkundigt es sich nach dem Unterhalt von den Eltern. „Beide Unterhaltsarten sind gegenüber dem Wohngeld vorrangig”, betont Haase.

Wer zählt beim Wohngeld als Haushaltsmitglied?

Als Haushaltsmitglied angesehen wird auch, wer mit dem Antragsteller in einer „Einstandsgemeinschaft” zusammenlebt. Davon geht das Amt aus, wenn „nach verständiger Würdigung der wechselseitige Wille anzunehmen ist, Verantwortung füreinander zu tragen und füreinander einzustehen”. Dieser Wille wird vermutet (§ SGB 2, Abs. 3a), wenn:

  • Partner mehr als ein Jahr unter einem Dach leben,
  • oder mit einem gemeinsamen Kind zusammenleben,
  • oder Kinder oder Angehörige im Haushalt versorgen,
  • oder befugt sind, über Geld des anderen zu verfügen.

Im Hinblick auf das Wohngeld bedeutet das: Einerseits erhöht sich die Zahl der Haushaltsmitglieder, andererseits wird das Einkommen des Partners angerechnet. Wenn etwa der Mann als Freiberufler noch weniger Geld verdient, die festangestellte Lebensgefährtin bereits viel, wackelt möglicherweise die obere Einkommensgrenze.

„Gemeinsames Wirtschaften liegt schon vor, wenn ein Partner seinen Anteil für die Miete auf das Konto des anderen überweist”, sagt Haase. Und wenn jemand trickst? „Das fliegt in 99 Prozent der Fälle auf.” Die Behörde schalte den Prüfdienst der Sozialämter ein, der steht dann morgens um sechs vor der Tür. „Man muss ihn nicht hereinlassen. Doch wenn man das nicht tut, wird das Wohngeld verweigert.”

Kinder getrennt lebender Eltern

Mütter und Väter, die getrennt leben, müssen angeben, wer sich zu welchem Anteil um den Nachwuchs kümmert. Teilen sich die Eltern die Aufgabe zur Hälfte, zählen die Kinder als Mitglieder in beiden Haushalten – wodurch das Wohngeld jeweils steigt. Das trifft auch noch zu, wenn der Betreuungsanteil jedes Elternteils mindestens ein Drittel ausmacht. Wer zwei oder mehr Kinder hat und keines mindestens zu einem Drittel betreut, erhält nur das jüngste dieser Kinder als Haushaltsmitglied angerechnet (Paragraf 5 WoGG).

Wenn sich Ihre Einkünfte ändern

Werden sich Einkünfte eines Haushaltsmitglieds in den nächsten zwölf Monaten ändern? Die Frage klingt simpel, hat aber einen Haken. Wird sie bejaht, hat das zur Konsequenz, dass das Amt den Bewilligungszeitraum für das Wohngeld – normalerweise zwölf Monate – entsprechend verkürzt. Wenn die Änderung dann ausbleibt oder erst später eintritt, muss man dies nachweisen. Angesichts der teils monatelangen Bearbeitungszeit von Behörden, kann es zu einer Durststrecke kommen. „Daher sollte man hier eher mit Nein antworten und erst, wenn sich die Einkünfte verändert haben, einen Änderungsantrag stellen”, rät der Experte.

Bafög und BAB

Wie Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II sind Bafög und Berufsausbildungsbeihilfe Ausschlusskriterien. Alleinlebende Auszubildende und Studenten, die diese Leistungen beziehen, haben keine Chancen auf Wohngeld. „Die Ausschlussregelung greift auch, wenn jemand eigentlich Anspruch auf Bafög hat, aber die Unterstützung nicht bekommt, weil die Eltern zu viel verdienen“, erklärt Haase. Anders sieht es aus, wenn der Betreffende mit seiner Partnerin zusammenzieht und die prinzipiell kein Bafög-Kandidat ist. „Dann kann der Student zusammen mit der Partnerin Anspruch auf Wohngeld haben.”

So widersprechen Sie einem Wohngeld-Bescheid

Verbraucher können gegen einen Wohngeldbescheid Widerspruch einlegen. Sie gehen dabei kein Risiko ein. Schlimmstenfalls weist ihn die Behörde ab, Betroffenen entstehen keine Gebühren. Der Widerspruch muss schriftlich erfolgen. Wer nicht selbst schreiben will, kann seine Angaben in der Widerspruchsstelle des Amtes zu Protokoll geben.

Der Klageweg steht in den meisten Bundesländern erst offen, wenn man mit dem Widerspruch gescheitert ist. In Bayern sind Widerspruch und Klage alternativ möglich. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gibt es nur die Möglichkeit, vor Gericht zu ziehen. Wo auch immer der Antragsteller wohnt, in der Praxis zeigen sich zwei Probleme.

Das sind einmal die Kosten. Wer Wohngeld benötigt, bezahlt nicht mal so nebenbei einen Anwalt. Helfen kann ein sogenannter Beratungshilfeschein. Der muss beim Amtsgericht beantragt werden. Eine andere Möglichkeit ist ein Antrag auf Prozesskostenhilfe.

Schwierig gestalten kann sich daneben die Suche nach einem Anwalt. Mit Wohngeldrecht kennen sich nicht allzu viele freie Rechtsanwälte aus. Auch Juristen bei Verbraucherzentralen und Mietervereinen befassen sich nicht näher damit. Tipps für die Suche erhält man in der Heimatstadt eventuell bei sozialen Verbänden, Vereinen oder Einrichtungen; in München gibt es Sozialbürgerhäuser, die weiterhelfen können. Ansonsten empfiehlt es sich, über eine der einschlägigen Anwaltsdatenbanken im Internet zu suchen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Wohngeld

Wohngeld soll einkommensschwachen Menschen ermöglichen, sich eine angemessene Wohnung leisten zu können. Einkommensschwache Besitzer einer selbst bewohnten Immobilie können den Lastenzuschuss bekommen. Kein Wohngeld erhält, wer Leistungen wie Bafög, Hartz IV oder Grundsicherung erhält. Denn hierbei sind Wohnkosten bereits berücksichtigt. Wohngeld-Empfänger müssen über ein Mindesteinkommen verfügen. Andernfalls steht ihnen beispielsweise Hartz IV zu.

Zuständig für das Wohngeld ist Ihre örtliche Wohngeldbehörde. Am einfachsten ist es, in eine Suchmaschine den Namen Ihres Wohnortes und „Wohngeld“ einzugeben.

Wie hoch Ihr Wohngeld-Anspruch ausfällt, hängt von Ihrem Einkommen, den Wohnkosten und der Anzahl der Haushaltsmitglieder ab. Ihren individuellen Anspruch können Sie mit unserem Wohngeld-Rechner berechnen.

Als Einkommen gelten neben Löhnen und Gehältern auch steuerfreie Zuschläge für Überstunden, Sonderzuwendungen für Urlaub und das 13. Monatsgehalt, Arbeitslosengeld, Krankengeld, Renten, Einkünfte aus Vermögen und Unterhaltszahlungen. Nicht mitgezählt werden bei der Berechnung des Einkommens Kindergeld, Kinderzuschlag und der Mindestbetrag beim Elterngeld. Das Einkommen mindert sich um Abzugsbeträge für Steuern und Sozialversicherungsbeiträge sowie Unterhaltsleistungen und Freibeträge zum Beispiel für pflegebedürftige Haushaltsmitglieder. Auch Werbungskosten und Kinderbetreuungskosten können Antragsteller geltend machen.

Beim Wohngeld gelten hohe Freigrenzen. Für den Antragsteller liegt die Grenze in der Regel bei 60.000 Euro, für jedes weitere Haushaltsmitglied bei 30.000 Euro. In manchen Fällen ist auch ein noch höheres Vermögen kein Problem. Wichtig ist aber: Vermögen darf nicht verschwiegen werden – auch wenn es deutlich unterhalb der Freigrenze liegt. Denn der Zinsertrag zählt bei der Ermittlung der Wohngeld-Höhe als Einkunft.

Beim Wohngeld spielt keine Rolle, wie groß eine Wohnung ist. Das Wohngeldamt wird niemanden auffordern, aus einer sehr großen Wohnung auszuziehen. Stattdessen wird lediglich die Miete nur bis zu einer bestimmten Höhe anerkannt. Da es erhebliche Unterschiede beim Mietniveau gibt, je nachdem wo Sie wohnen, sind im Wohngeldgesetz Mietenstufen festgelegt. Sie reichen von I bis VI, je teurer das Pflaster, desto höher die Stufe. Einem Single mit der Mietenstufe VI rechnet das Amt maximal 522 Euro an, einem vierköpfigen Haushalt bis zu 753 Euro. Für einen Alleinstehenden mit der Mietenstufe I gilt ein Höchstbetrag von 312 Euro. Wichtig: Dies sind die Beträge, die das Wohngeldamt anrechnet, es handelt sich hierbei nicht um die Höhe des Wohngeldes. Beispiel: Ein Single, der beispielsweise in München lebt, wo die Wohnkosten außerordentlich hoch sind, und als monatliche Miete 600 Euro kalt zahlt, erhält nicht etwa 522 Euro Wohngeld. Es werden vielmehr bei der Berechnung des Mietzuschusses nur 522 Euro berücksichtigt. Die darüber hinausgehenden 78 Euro bleiben bei der Berechnung außen vor.

Um Wohngeld zu erhalten, müssen Sie den Wohngeld-Antrag ausfüllen. Darüber hinaus benötigt die Wohngeld-Behörde Nachweise über Einkommen – zum Beispiel eine Verdienstbescheinigung, einen Rentenbescheid oder einen Krankengeld-Nachweis. Ihre Wohnkosten weisen Sie mit dem Mietvertrag und Kontoauszügen nach. Außerdem benötigen Sie eine Meldebescheinigung und Ihren Personalausweis oder einen Reisepass. Je nach Amt und individuellem Fall sind weitere Unterlagen erforderlich – zum Beispiel Nachweise für Kindergeld, Werbungskosten, Unterhaltszahlungen, Pflegebedürftigkeit, Kinderbetreuungskosten oder ein Schwerbehinderten-Ausweis.

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